Im Jahr 1971 alamierte die junge Ärztin Helen Caldicott Australiens Presse: Die Franzosen führten – auch acht Jahre
nach einem weltweiten Verbot – Atowaffentests im Pazifik durch. Fall Out inklusive. Das war Caldicotts erste Kampagne.
Nach Beendigung der Tests wollte sie sich ihren Kindern und ihrer neu gegründeten Mukoviscidose-Klinik widmen.
Aber der nächste Vergifter lauerte schon um die Ecke: Uranabbau.
"Als Mutter von drei Kindern konnte ich gar nicht anders als mit ganzer Kraft gegen Kinder-Leukämie, andere schwere
Erkrankungen und genetische Schäden zu kämpfen, die überall da auftreten, wo man Uran oder dessen Zerfallsprodukten
ausgesetzt ist".
1978 traf sich Helen Caldicott (inzwischen in den USA ansässig) in Boston mit anderen Ärzten. Sie alle waren sich
darin einig, dass Atomkraft medizinisch ein hochbrisantes Thema ist. Sie ließen die Organisation namens "Ärzte in
sozialer Verantwortung" (Physicians for Social Responsibility, PSR) neu aufleben. 1979 erschien, einen Tag nach dem
Three Miles Island-Reaktorunglück, eine Anzeige von PSR im New England Journal of Medicine, in der die Autoren
die Gesundheitsbedrohung durch Atomenergie darlegen, die atomare Abrüstung und den Ausstieg aus der Kernenergie
fordern und ein Moratorium zum Anlagen-Neubau verlangen. Die Mitgliederzahlen von PRS explodierten gewissermaßen.
"Atomarer Wahnsinn" (Nuclear Madness), Caldicotts erstes Buch, wurde fast über Nacht zum Klassiker. Sie
beschreibt darin die Atomindustrie mit ihren heimtückischen Tricks und entlarvt die Komplizienschaft der US-Regierung
(bei "medizinischen" Experimenten mit strahlenden Materialien) – ein Weckruf zum Widerstand in eigener Sache und
für künftige Generationen.
Helen Caldicott gelang es &ndash: nicht zuletzt dank ihrer brillanten Rethorik – die Menschen bei ihrer moralischen Empörung
zu packen und sie zugleich zu ermutigen. Ihr Kampf und ihr Aufruf zu anti-nuke-actions manifestierte sich in
den Dokumentarfilmen "Eight Minutes to Midnight" (1981, Oscar) und "If You Love This Planet" (1982).
Im Jahr 1979 beschleunigten Pershing und Cruise Missiles das nukleare Wettrennen. "Das übertraf meine schlimmsten
Erwartungen", schrieb Helen, "und ich wusste, dass ich meine Bemühungen verdoppeln musste, den Menschen die Atomkriegsgefahr
vor Augen zu stellen. Es war zum Verzweifeln!"
"A Desperate Passion" – so der Titel ihrer Biographie – machte Helen Caldicott vollends zu einer Hauptakteurin
der Nuclear Freeze-Bewegung in den USA und Europa. Ärzte in acht europäischen Ländern wurden von ihr zu Anti-Atom-Aktionen inspiriert und gründeten 1980 schließlich die
International Physicians for the Prevention of Nuclear War (IPPNW) – eine Organisation, die fünf Jahre später mit dem
Friedensnobelpreis ausgezeichnet wurde.
1987 kehrte Helen nach Australien zurück; seither ist sie
in aller Welt unterwegs. Sie ist eine der wenigen, die die Kette des Übels – Uranabbau, Atomenergie, Atomwaffen – von A
bis Z haarklein aufrollen kann – mit Schwerpunkt auf Gesundheitsgefahren durch Strahlungsenergie. Sie sucht das direkte
Gespräch mit Politikern, wirkt durch Bücher, Filme, Fernsehauftritte. Und die NFFA-Auszeichnung für Lebensleistung ist
sicherlich kein Schlusspunkt sondern eher eines von vielen Ausrufezeichen.
"Wenn du fest entschlossen bist, schaffst du es, da bin ich mir sicher. Du kannst die Welt verändern, und ich habe mitgeholfen,
sie zu verändern", lautet eine ihrer Botschaften.
is presented by the
Franz Moll Foundation
for the Coming Generations
to
for her many decades
of tireless public advocacy
protecting the earth and its peoples
from the technologies of death