Er hat einen Kopf, dem man ansieht, dass er stur sein kann, wenn es um die Rettung der Heimat geht. Und er hat eine
Aussprache, die ihm den Zutritt auf jedes diplomatische Parkett erlaubt. Dazu kommt ein scharfer Blick, mit dem
jedes relevante Dokument, ungeachtet seiner Herkunft, penibel geprüft wird. Bescheidenheit wird ihm auch bescheinigt.
Für einen Anti-Atom-Aktivisten keine schlechte Mischung.
Seine Laufbahn als Widerständler begann Heinz Stockinger, geboren 1947, zwei Jahre nachdem er mit dem
Magister in Englisch und Französische an der Universität Salzburg abschlossen hatte, jener Universität, an der er heute
lehrt. "1968 war ich zu jung, um an den Studentenprotesten teilzunehmen", sagt er, "aber der Geist des Widerstands gegen verknöcherte
Machtstrukturen, dogmatische Ideologien, leere Autoritäten und krassen Materialismus hat mich dennoch ergriffen.
Fortschritt verdient für mich den Namen nur, wenn er in Menschlichkeit und Respekt für die Schöpfung auftritt."
Diesem Fortschritt fühlt er sich verpflichtet – seit er sich 1977 einreihte in den landesweiten Widerstand gegen das
geplante AKW Zwentendorf, der Österreichs Präsidenten Bruno Kreisky zur Umkehr zwang.
Im Juni 1978 brachte eine Volksabstimmung trotz einer aufwendig angelegten Informationskampagne der
Bundesregierung und einer klaren Wahlempfehlung der Regierungspartei den Sieg: Von 3,2 Millionen Wahlberechtigten
stimmten 1,61 Millionen am 5. November 1978 mit "Nein".
Heinz Stockinger wandte sich, wie viele seiner Landsleute, einem neuen Brennpunkt zu: der geplanten
Wiederaufbereitungsanlage in Wackersdorf in der Oberpfalz (Bayern). Im Mai 1986 initiierte er die Gründung
der "Überparteilichen Salzburger Plattform gegen die Wiederaufbereitungsanlage Wackersdorf", die 1989 – nach
dem Aus für die WAA – umbenannt wurde in "Plattform gegen Atomgefahren", kurz PLAGE.
Seit 20 Jahren ist er,
der Hochschullehrer für Französisch und Frankreichkunde und Vater zweier Söhne, der Motor der PLAGE und kann über
ein beispielhaftes Zeitungsarchiv verfügen, dass mehrfach schon als Recherchepool für Diplomarbeiten diente.
Stockinger ist ein Aufklärer: Er startete eine Kampagne zum EURATOM-Vertrag, um den Österreichern die wahrscheinlichen
Folgen des EU-Beitritt Österreichs beizubringen, er rief zu einem Siemens-Boycott auf und er reiste
durchs Land, um KOALA bekannt zu machen – die Koalition atomfreier Länder. Sein Widerstandsgeist richtet sich nicht
nur gegen die Atomkraft; er startete in seiner Heimat auch ein Sammelsystem für Aluminiumabfall. Dafür ehrte ihn das
Land Salzburg 1987 mit dem Umweltpreis. 1991 folgte der Konrad-Lorenz-Staatspreis für Umweltschutz, den er zusammen
mit Hannes Augustin vom Salzburger Naturschutzbund erhielt.
Er führte den landesweiten Protest gegen das tschechische Kernkraftwerk Temelin mit an; dabei ging er bis in die USA,
um mit Hilfe des US-Freedom of Information Act an Papiere zu gelangen, die die Handelsverträge zwischen Tschechien
und den USA, der Firma Westinghouse, der CEZ und Exim Bank offen legten. Zwischen Hochschule und PLAGE organisierte
er 2007 die Konferenz "Updating International Nuclear Law", die international Beachtung fand.
Heinz Stockinger verliert nie sein Ziel aus den Augen: die nuklearfreie Zukunft.
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Franz Moll Foundation
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shielding Austria from nuclear power
and helping initiatives across borders
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