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Preisverleihung Berlin 2011 – Presseerklärung

Wie fast in jedem Jahr wird der Nuclear-Free Future Award (NFFA) an Menschen verliehen, die – teils unter Einsatz Ihres Lebens – versuchen, das atomare Zeitalter zu beenden. In diesem Jahr findet die Verleihung am 10. April als Matinee in der Berliner URANIA im Rahmen des IPPNW-Kongresses "25 Jahre nach Tschernobyl" statt. Die dramatischen Ereignisse in Japan werfen Schlaglichter auf Fragen, die uns spätestens seit Tschernobyl bedrängen: Was tun? Welcher Widerstand kann wo was bewirken? Der NFFA ehrt und stellt Menschen vor, die uns Wege aus der atomaren Sackgasse weisen...

zur vollständigen Presseerklärung als pdf

Die Preisträger 2011

WIDERSTAND: Nadezhda Lvovna Kutepova und Natalia Manzurova
Beide gehören zur Organisation "Planeta Nadezhd" (Planet der Hoffnung) in der verstrahlten, vergessenen Region, anderthalb tausend Kilometer südlich von Moskau, wo seit einem atomaren Unfall in einer Atomwaffenfabrik (1957) die Menschen an Leukämie-, Lymphdrüsen- und anderen Krebsarten sterben. Majak heißt nach ihrer Zentralstadt jene Region, die von russischer Regierungsseite im Wortsinne totgeschwiegen wird. Natalia Manzurova war Liquidatorin In Tschernobyl. Jurorin Christine von Weizsäcker: "Wir brauchen sie, sie brauchen uns."

AUFKLÄRUNG: Barbara Dickmann und Angelica Fell

Die beiden ZDF–Journalistinnen zeichnen sich dadurch aus, dass sie am Thema Atomenergie seit Jahrzehnten hartnäckig "dran bleiben" (wie es im Journalismus heißt, aber nur selten befolgt wird), auch wenn die Medienaufmerksamkeit gerade anderen Themen galt. Vorbildlich (im Wortsinn) war ihre Berichterstattung über die Leukämiehäufung am KKW Krümel.

LÖSUNGEN: Hans Grassmann

Der Physiker hat die hohen Sphären der Physik verlassen(er war Mitarbeiter des Nobelpreisträgers Carlo Rubbia und gehörte zum Stab von CERN), um einfache Lösungen für unseren Energiebedarf zu suchen. Sein Modell der Linearspiegel findet derzeit großes Interesse in China. Hans Grassmann lehrt an der Universität von Udine in Italien.

LEBENSWERK: Heinz Stockinger und Helen Caldicott

Heinz Stockinger zählt zum Kern der österreichischen Anti-Atom-Bewegung und war in den siebziger-achtziger Jahren eine der Frontfiguren im erfolgreichen Widerstand gegen das Kernkraftwerk Zwentendorf und – grenzüberschreitend – gegen die WAA Wackersdorf. Er ist Gründer der Plattform gegen Atomgefahren Salzburg (www.plage.cc) und bis heute als Aufklärer aktiv.
Helen Caldicott hat als Ärztin während des Kalten Kriegs ihren Platz in der internationalen Anti-Atom-Bewegung eingenommen. Sie war 1971 Mitinitiatorin der australischen Proteste gegen französische Kernwaffentests im Pazifik. Sie war Mitbegründerin von Physicians for Social Responsibility, einer Vereinigung von über 20.000 Ärzten und Lehrstuhlinhabern mit dem Ziel, an ihren Universitäten über die Risiken der Nutzung von Kernenergie und Kernwaffen aufzuklären. 2001 gründete sie in Washington D.C. das Nuclear Policy Research Institute. Caldicott hält weltweit Vorträge zum Themenkomplex Atomenergie und die Folgen.



Ausführliche Texte zu allen Preisträgern finden sie in unserer Preisbroschüre. Fotos zu allen Preisträgern liegen unter Fotos bereit.


Preisverleihung NYC 2010


2010 Nuclear-Free Future Award laureates, musicians and event organizers at the Great Hall of Cooper Union © Orla Connolly

2010 Nuclear-Free Future Award Preisträger, Musiker und Team Nuclear-Free Future Award, Great Hall of Cooper Union © Orla Connolly




Die Preisträger 2010

WIDERSTAND: African Uranium Alliance
Afrika sagt NEIN! Die African Uranium Alliance ist die erste pan-afrikanische Initiative, die sich geschlossen gegen Uranabbau wendet. Die unselige Kette des Übels beginnt unten, im Boden: beim Abbau, der regelmäßig Menschenleben fordert. Der Zusammenschluss erfolgte 2009 und vereint Aktivisten aus Niger, Namibia, Südafrika, Malawi, Tansania und Kamerun.

AUFKLÄRUNG: Oleg Bodrov
Können wir ahnen, was es heißt, den russischen Atom-Lobbyisten und Macht-Oligarchen die Stirn zu bieten? Der Physiker und Ingenieur Oleg Bodrov aus St. Petersburg zählt zu den herausragenden Persönlichkeiten der russischen Friedens-, Umwelt- und Abrüstungsbewegung. Atombomben und Atomstrom sind für ihn zwei giftige Früchte auf dem gleichen Strauch. Zu seiner Arbeit gehören Aufklärungsfilme von gestochen scharfer Eindringlichkeit.

LÖSUNGEN: Bruno Barrillot
Frankreich testete seine Atombomben in der Südsee – bis in die neunziger Jahre. Menschenopfer waren einkalkuliert. Seit Januar 2010 haben die bis ins Mark Getroffenen endlich ein Gesetz auf ihrer Seite. Bruno Barrillot ist "der Mann des Gesetzes": Er war es im Wesentlichen, der in zehnjährigem Kampf ein Entschädigungsgesetz zugunsten der "Loi Morin" durch focht, der Opfer französischer Atomtests und ihrer Angehörigen.

EHRENPREIS / LEBENSWERK: Martin Sheen
Der Schauspieler Martin Sheen hat – wie kaum ein anderer Hollywood Star – seine Prominenz genutzt, um die Friedens- und Abrüstungsbewegung in den USA zu unterstützen. Als er sich bei einem Protest vor dem Atomlabor Los Alamos 1996 verhaften ließ, sagte er: "Ich spiele in Filmen für meinen Lebensunterhalt, ich protestiere, um am Leben zu bleiben." (I act to earn my living, I do this to stay alive)

EHRENPREIS / BESONDERE ANERKENNUNG: Henry Red Cloud
Wenn am 30. September 2010 in der Great Hall von Cooper Union Henry Red Cloud an jenes Pult tritt, an dem bereits Abraham Lincoln sprach, wird sich ein Kreis schließen: vor 140 Jahren stand hier als erster Indianer der berühmte Häuptling der Oglala-Lakota, Chief Red Cloud. Henry ist ein Enkel in fünfter Generation. Der Bisonzüchter Henry Red Cloud lebt auf dem Oglala Lakota-Reservat Pine Ridge (South Dakota) und gründete dort die Firma "Lakota Solar Enterprises" und das "Red Cloud Renewable Energy Center" mit dem Ziel, sein Volk energie-autark zu machen.