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Uranbergbau am Pranger
Indigenous World Uranium Summit: Atomenergie keine Lösung fürs Klima
Von Norbert Suchanek
Neues Deutschland
11.12.06, WINDOW ROCK–Die Erde heizt sich immer mehr auf. Statt den dafür verantwortlichen Ergieverbrauch zu drosseln, setzt so mancher auf Kernenergie als »Alternative« zu Kohle, Erdöl und Erdgas. Doch Ureinwohner aus fast allen Kontinenten, die sich jüngst in Window Rock, der Hauptstadt der Navajo-Indianer in den USA, zum Indigenous World Uranium Summit – dem Welturangipfel der indigenen Völker – , trafen, fordern stattdessen einen globalen Ausstieg aus der Atomenergie und ein Ende des Uranbergbaus. Denn der radioaktive Rohstoff der Atomkraftwerke wird vor allem in ihren Gebieten abgebaut.
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»Wir, die beim Indigenous World Uranium Summit versammelten Völker, fordern eine weltweiten Bann des Uranbergbaus, der Urananreicherung und Urannutzung, der Atomwaffentests und einen Bann der Entsorgung von Atomabfall auf dem Land indigener Völker«, heißt es in der von über 300 Delegierten aus neun Ländern und 14 US-Bundesstaaten getragenen Erklärung von Window Rock. Der Ort des Treffens war gut gewählt, verabschiedete doch hier jüngst das Parlament der Navajo erstmals in der Geschichte der USA ein Gesetz, dass den Uranabbau auf ihrem Stammesgebiet ein für allemal verbietet. Hier im Navajo-Reservat ließ die US-Regierung einst das Uran für die erste Atombombe von tausenden, der radioaktiven Strahlung schutzlos ausgelieferten Indianern aus den Felsen kratzen.
Dass sich die rücksichtslosen Praktiken im Atomenergiebusiness seit damals kaum gebessert haben, zeigten die persönlichen Augenzeugenberichte von betroffenen Ureinwohnern während des Gipfeltreffens. »Uranbergbau, Atomenergienutzung und internationale Abkommen, die die Nuklearindustrie fördern, verletzen die Menschenrechte sowie die Naturgesetze der Mutter Erde, und bedrohen unsere traditionellen Kulturen«, heißt es deshalb weiter in der Erklärung von Window Rock. »Unsere Mutter Erde muss vor dem zerstörerischen Uran geschützt werden, wollen wir überleben«, betonte der Delegierte der Acoma-Pueblo-Indianer und Soziologe Manni Pino. Der radioaktive Abfall des Uranbergbaus und Atomindustrie bedrohe uns und unsere künftigen Generationen. »Ureinwohner aus aller Welt sagen nun, dass diese Bedrohung ein Ende finden muss.«
Erstmals beim Indigenous World Uranium Summit (IWUS) vertreten war Brasilien, dessen Regierung sich derzeit anschickt, ihr drittes Atomkraftwerk fertig zu stellen und gleichzeitig den Uranbergbau im eigenen Land auszuweiten. Die Weißen, so per Video der Häuptling der Guarani Mbya aus Rio de Janeiro, Vera Miri, hätten die verschiedensten Fabriken und Industrien erfunden. Sie alle verschmutzten Luft und Wasser mit ihren Abgasen und Abwässern. Doch die schlimmste Erfindung der weißen Ingenieure seien die Atomkraftwerke. Auf dem traditionellen Gebiet der Guarani Mbya stehen Brasiliens bislang einzige zwei Atomkraftwerke, Angra 1 und Angra 2, sowie die Investruine des dritten Reaktors Angra 3. Niemand hatte jemals die Guarani-Indianer um Erlaubnis gefragt, um die Kraftwerke, die gesamte Infrastruktur und Zubringerstrassen auf ihrem Gebiet bauen zu dürfen. Ohne irgendwelche Entschädigung wurden sie einfach mitten in den Atlantischen Regenwald der Guarani Mbya in die Bucht von Angra südlich von Rio de Janeiro geklotzt.
Um der Erklärung von Window Rock Nachdruck zu verleihen, soll sie in den kommenden Monaten von möglichst vielen Menschen aus allen Kontinenten unterschrieben werden. Optimistische Zielvorgabe des IWUS: eine Milliarde Unterschriften.
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